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Hoch
verehrte gnädige Frau !
Als die erschütternde Kunde von dem Heldentod Ihres Gatten
zu uns drang, faßten wir Forstleute aus dem Annaburger
Revier Thiergarten sofort den Beschluß, dem allverehrten
Oberförster Haack in der von ihm verwalteten Oberförsterei
eine Erinnerungsstätte zu schaffen. Ich hatte das Bedürfnis,
meinem Freunde, dem ich in jahrelanger Zusammenarbeit nahe
getreten war, ein bleibendes Denkmal zu setzen, und die Beamten
der Oberförsterei Thiergarten wollen ihrer Verehrung
für ihren Chef, den sie so hoch schätzten als Vorgesetzten
und Menschen, Ausdruck geben. Unsere Gedanken wenden sich
heute nach dem fernen Osten, wo deutsche Jäger an der
Düna die Grenzwacht halten, nachdem sie den Feind aus
dem deutschen Kurland verdrängt hatten. Dort ereilte
Friedrich
Haack das Kriegerschicksal, als er in treuester Pflichterfüllung
in der vordersten Linie die Postenkette besuchte. Dort ruht
er im Walde, umgeben von den Tapferen seiner Kompanie, die
unter seiner Führung mit ihm in heißem Kampf den
Boden erstritten hatten, auf welchem jetzt die Grenzwacht
steht. Wir wollen ihm hier im deutschen Walde an einem Platze,
dem er oft seine forstliche Tätigkeit gewidmet hatte,
und wo er selbst Hand angelegt hatte zu neuer Waldbegründung,
eine deutsche Eiche pflanzen. Wie so oft in diesem furchtbaren
Kampfe um deutsche Freiheit und Einheit hat das unerbittliche
Los mit Friedrich Haack einen Menschen der Tätigkeit
und dem Familienglück entzogen, dem jeder, der ihn kannte,
gegönnt hätte, sein Leben auszuleben in fruchtbringender
Arbeit und in dem Genuß edelsten Familienglückes.
Mit ihm ist ein Mensch dahingegangen, dem die Natur seine
Gaben geschenkt hatte, die sein Fleiß und
sein
starker Wille zur vollen Entfaltung gebracht hat. Solange
es eine deutsche Forstwirtschaft geben wird, wird Friedrich
Haack nicht vergessen werden. Er stammte aus einem deutschen
Pfarrhause, woher dem deutschen Volke schon viele tüchtige
und bedeutende Männer gegeben sind. Nachdem er 1893 unter
Befreiung von der mündlichen Prüfung das Abiturientenexamen
bestanden hatte, widmete er sich dem Forststudium und bestand
in regelrechter Folge des Studienganges mit dem Prädikat
"Gut" die beiden forstlichen Staatsprüfungen.
Seiner Militärpflicht genügte er bei dem Jägerbataillon
2, dem er bis zu seinem Ausscheiden als Reserveoffizier angehört
hat. 1900 zum Forstassesor ernannt, wurde er zunächst
berufen zur Ausführung großer taxatorischer Arbeiten,
zur Arbeit in der Forstabteilung der Potsdamer Regierung,
um am 1.Oktober 1903 hier in Annaburg die selbständige
Verwaltung der soeben erbauten
Maschinendarre
zu übernehmen. Hier konnte er voll und ganz seine wissenschaftliche
Veranlagung entfalten und konnte grundlegende Arbeiten liefern
für die Gewinnung brauchbaren Kiefernsamens, der für
den deutschen Wald eine so große Bedeutung hat. Die
Grundlage seiner Arbeiten war Wahrheit und Klarheit, eine
ganz ungewöhnliche Stellungnahme zur Sache und ein fester
Wille, durch Irrtümer hindurch der Wahrheit zum Siege
zu verhelfen. Hier war es mir vergönnt, ihm näher
zu treten und ihn als Kollegen und Menschen lieb zu gewinnen.
Mit seiner Darrtätigkeit verband er auch die neue Abschätzung
meines Revieres nach dem großen Spannerfraß zu
Anfang dieses Jahrhunderts. Als er von hieraus berufen wurde,
einer der ersten wissenschaftlichen Autoritäten auf dem
Gebiet der Mykologie, dem Professor Dr. Moeller in Eberswalde
als Hilfsarbeiter zur Seite zu stehen, hatte er in seiner
Bescheidenheit große Bedenken. Es ist mir geglückt,
ihn
von diesen Bedenken loszulösen. Am 1.Oktober begann er
seine Tätigkeit in Eberswalde, die eine überaus
fruchtbringende sein sollte und klar seine Befähigung
bewies zu wissenschaftlicher Erforschung der Vorgänge
in der Natur, deren Kenntnis die forstliche Praxis nicht entbehren
kann. Er begründete in weiteren Arbeiten die wissenschaftliche
Erkenntnis in der Behandlung des Kiefernsamens zur Erzielung
größter Keimfähigkeit, erforschte in grundlegender
Arbeit das Wesen einer der ärgsten Feinde unserer Kiefernkulturen,
des Schüttepilzes. Seine letzten Arbeiten galten der
Erforschung eines anderen Feindes der Kiefer aus dem Gebiete
der holzzerstörenden Pilze, des Kienzopfes. In Eberswalde
war es ihm vergönnt, die Gattin heimzuführen. Die
Ehe wurde für ihn die Quelle großen Glückes,
und durch sie entfaltete sich seine Arbeitskraft zu voller
Höhe. 1912 wurde ihm die Oberförsterei Thiergarten
zu Annaburg und die damit verbundene Verwaltung der
Samendarre
übertragen. Er konnte mit vollem Eifer und mit ganzer
Hingabe neben der Fortsetzung seiner wissen-schaftlichen Arbeiten
sich der Verwaltung des Revieres widmen und seine Aufmerksamkeit
praktischen Aufgaben zuwenden. In der kurzen Tätigkeit
bis zu Ausbruch des Krieges legte er den Grund für die
vielen Aufgaben, die ihm diese Verwaltung stellte. Er konnte
noch die Linie festlegen für einen das Revier aufschließenden
Straßenbau und konnte sich besonders den Fragen der
Aufforstung widmen. Als der große Krieg ausbrach, stellte
er sich sofort zur Verfügung; es war ihm aber nicht vergönnt,
sofort in den Kampf zu ziehen. Dazwischen lag eine lange Leidenszeit
infolge eines Sturzes mit dem Rade. Er konnte sie überwinden
durch die aufopfernde Pflege seiner Gattin. Im Frühjahr
1915 zog er dann gen Osten ins Feld. Auch dort errang er sich
bald durch seine Freundlichkeit, durch die Klarheit seines
Wesens, durch die tüchtige Erfüllung der ihm
gestellten
Aufgaben die Liebe seiner Untergebenen und die Freundschaft
und Hochachtung seiner Vorgesetzten. Wie er schon frühzeitig
zur Anerkennung seiner wissenschaftlichen Arbeiten durch verleihung
des Roten Adler Ordens und eines bayerischen Ordens ausgezeichnet
wurde, so wurde ihm auch bald im Feld Eiserne Kreuz und das
Lippesche Verdienstkreuz verliehen. Gern kam er auf Urlaub
in die Heimat, um in dem geliebten Walde Erholung zu suchen
in Ausübung der Jagd, deren Hege und Pflege dem Forstmanne
so sehr am Herzen liegt. Nun ruht er im fernen Osten, durch
seinen Tod Zeugnis ablegend von der unbezwinglichen Liebe
zum Vaterland, die alle Deutschen durch diesen furchtbaren
Kampf hindurch führt. Der deutsche Forstmann wird ihn
treu in seinem Gedächtnis behalten, und wer ihn gekannt
hat, wird seiner niemals vergessen.
Pflanzung
Möge
in diesem heimlichen Winkel des deutschen Waldes diese Eiche
lange
Kunde
geben, daß hier eines deutschen Forstmannes und eines
deutschen Heldens gedacht ist. Wir übergeben den Baum
der besonderen Hut des Försters. Seinem Wurzelwerk haben
wir eine Flasche beigefügt, die Kunde geben soll von
den wissenschaftlichen Arbeiten Friedrich Haacks, von diesem
Erinnerungstage und von der Ehrung eines deutschen Helden,
wenn nach Jahrhunderten der Sturm sie aus der Erde reißt.
Ehre dem Andenken des Oberförsters Friedrich Haack !
So
geschehen
Oberförsterei
Thiergarten b. Annaburg Am 5. Mai 1917.
Der
Revierverwalter
Stubenrauch
Königlicher
Forstmeister.

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